Ein 3D-Modell macht Planung nicht automatisch schneller. Beim Südschnellweg zeigt sich der Wert von BIM zunächst an einer anderen Stelle: Das Modell hilft, dass Planende, Bauunternehmen, Auftraggeber und Baustelle über dasselbe Bauwerk sprechen – gerade dann, wenn viele Entscheidungen parallel getroffen werden müssen.
Für die Ausführungsplanung der beiden Brücken über Leine und Leineflutmulde ist BIM kein nachträgliches digitales Extra. Der Auftraggeber hatte die BIM-Methode bereits in der Ausschreibung vorgegeben. Wir haben ein durchgängiges 3D-Modell aufgebaut, aus dem unter anderem Schal- und Bewehrungspläne abgeleitet werden. Zum Zeitpunkt der Interviews waren für die beiden Brücken bereits rund 450 Planungsdokumente entstanden.
Und trotzdem wäre es zu einfach zu sagen: Mit BIM geht alles schneller.
Dr.-Ing. Joachim Göhlmann beschreibt die Entwicklung so:
„Ich bin davon überzeugt, dass die Planung nach der BIM-Methode sich etablieren wird. … Das ist Mount-Everest-Besteigung, zwei Schritte vor, ein Schritt zurück.“
Geschäftsführender Gesellschafter GRBV, Prüfingenieur Tunnel
Das Bild passt gut zum Projekt. BIM schafft neue Möglichkeiten. Es verändert aber auch Arbeitsweisen, Schnittstellen und Verantwortlichkeiten. Wer den Nutzen will, muss deshalb zunächst lernen, anders zusammenzuarbeiten.
BIM wird häufig mit einem dreidimensionalen Bauwerksmodell gleichgesetzt. Tatsächlich greift das zu kurz.
BIM Deutschland definiert die Methode vor allem als kooperative Arbeitsweise: Informationen werden auf Grundlage digitaler Bauwerksmodelle konsistent erfasst, verwaltet und zwischen den Beteiligten ausgetauscht. Der Kern liegt damit nicht allein in der Geometrie, sondern in der gemeinsamen Informationsbasis und in den Prozessen darum herum.
Genau das zeigt sich am Südschnellweg besonders deutlich.
Die beiden Gewässerbrücken werden unter erheblichem Zeitdruck geplant und gebaut. Wegen der begrenzten Restnutzungsdauer der Bestandsbauwerke laufen Planungsstufen teilweise parallel. Während Gründungen und Pfeiler bereits entstehen, befinden sich spätere Bauteile noch in der Detaillierung. Gleichzeitig arbeiten zahlreiche interne und externe Beteiligte an verschiedenen Ausschnitten des Projekts.
In einer solchen Situation ist eine zentrale Frage entscheidend: Reden tatsächlich alle über denselben Planungsstand?
Ein räumliches Modell kann dabei wesentlich mehr leisten als eine anschauliche Visualisierung. Es macht Geometrien und Zusammenhänge gemeinsam sichtbar. Komplexe Bewehrungsführungen, Bauzustände oder räumliche Beziehungen lassen sich im Modell oft schneller erfassen als über mehrere übereinanderzulegende zweidimensionale Pläne.
Der Nutzen liegt damit zunächst im gemeinsamen Verständnis.
Es wäre falsch, BIM als alleinige Antwort auf die Komplexität des Projekts zu verstehen.
Planung unter Zeitdruck braucht zunächst Erfahrung. Wenn unten bereits gebaut wird, während oben noch weitergeplant wird, müssen Ingenieurinnen und Ingenieure früh einschätzen können, welche Lasten, Risiken und Reserven später relevant werden können.
Vielleicht ist deshalb das Bild von der Mount-Everest-Besteigung so passend: Man weiß, wohin man will. Der Weg führt trotzdem nicht immer geradlinig nach oben.
BIM ist für uns deshalb weniger ein Versprechen auf sofortige Geschwindigkeit als ein Werkzeug für bessere Zusammenarbeit. Sein Wert zeigt sich dort, wo aus vielen Fachmodellen, Beteiligten und Planungsständen ein gemeinsames Verständnis des Bauwerks entsteht.
© Bild- und Videomaterial | Philip Zintarra












