Bestand ist nicht die Vergangenheit des Bauens. Er ist ihre Fortsetzung.

Verstehen. Entwickeln. Abwägen. Umsetzen.

Ein Großteil der Gebäude, die heute in Europa stehen, wird auch 2050 noch genutzt werden. Um das verantwortungsvoll und nachhaltig zu tun, ist es notwendig, vorhandene Strukturen intelligent zu prüfen, zu erhalten und weiter zu denken, statt vorschnell neu zu bauen. Bauen im Bestand – darin sehen wir in erster Linie Potenzial. Ob die Entscheidung für die Ertüchtigung längst gefallen ist oder noch ansteht – wir kennen beide Ausgangslagen.

Im Hochbau erschließt ein genauer Blick oft mehr Substanz, als der erste Blick vermuten lässt. Bei Infrastrukturbauwerken bleibt ohnehin oft nur eine Option: ertüchtigen, statt ganze Systeme stillzulegen – wir liefern dafür die technische und wirtschaftliche Grundlage.

Die Leitfrage hierbei bleibt immer gleich: Welche Lösung erfüllt Funktion, Sicherheit, Klimaziele, Kosten und sozialen Nutzen über den gesamten Lebenszyklus am besten? Diese Frage beantworten wir mit belastbaren Daten.

Vier Themen bilden dabei den vollständigen Entscheidungsweg eines Bestandsprojekts ab – von der ersten Bestandsaufnahme bis zur sicheren Umsetzung:

Potenziale im Bestand

 

Verstehen, was trägt.

Bestandsaufnahme, Untersuchungen, Tragfähigkeit und Risiken

Bevor über Umnutzung, Verstärkung oder Sanierung entschieden werden kann, muss feststehen, was ein Gebäude tatsächlich ist: seine Tragstruktur, seine Materialien, seine Schäden, seine Reserven. Genau hier setzen wir an – mit Unterlagenprüfung, digitalen Bestandsmodellen, Material- und Bauteiluntersuchungen und einer klaren Risikoeinschätzung.

Bei der Berliner Feuerwehr- und Rettungsakademie haben wir zwei denkmalgeschützte Flugzeughangars trotz lückenhafter Unterlagen im Bestand aufgenommen und ihre Tragreserven in einer 3D-Statik bewertet – aus unsicheren Informationen wurden belastbare Geometrien, Materialkennwerte und Lastannahmen. Auch verdeckte Risiken wie eine zu geringe Betondeckung im Stahlbeton zeigen sich meist erst hier. Wir reduzieren nicht jede Unsicherheit sofort. Aber wir machen sichtbar, welche bestehen – und wie sie sich wirtschaftlich klären lassen.

Drei Personen prüfen und markieren gemeinsam großformatige Baupläne auf einem Tisch.
Blick aufs Gleis einer historischen Stahl-Fachwerkbrücke über den Dortmund-Ems-Kanal

Entwickeln, was möglich ist

Bauwerke im Gesamtsystem: Warum wir nie nur auf das Tragwerk schauen

Ein Bestandsbauwerk stellt viele Fragen gleichzeitig – zu Tragwerk, Brandschutz, Bauphysik und Nutzung. Und wir beantworten diese nicht nacheinander, sondern gemeinsam, weil wir ein Bauwerk immer als Gesamtsystem betrachten. Weil wir fachlich breit aufgestellt sind, erkennen wir Wechselwirkungen früh: Wir bewerten, welche Bauteile bleiben können, wo Tragreserven stecken, wo neue Lasten sinnvoll angeordnet werden und welche Verstärkungen wirklich nötig sind.

Zeigt die Bestandsanalyse etwa eine unzureichende Betondeckung, wägen wir das nie isoliert ab: Viele Stahlbetonbauwerke aus den 1960er- bis 1980er-Jahren weisen eine geringere Betondeckung auf, als heutige Normen fordern. Hier prüfen wir, ob der Bestandsschutz greift oder ob wir bereichsweise

Abwägen, was langfristig trägt

Kosten, Lebenszyklus, Ressourcen und CO₂

Bestandserhalt ist für uns kein Dogma, sondern eine begründete Variantenentscheidung. Wir vergleichen Erhalt, Teilersatz und Neubau nicht nur anhand der ersten Baukosten, sondern über den gesamten Lebenszyklus: Untersuchungs- und Sanierungsaufwand, Bauzeit und Nutzungsausfall, Betriebskosten, gebundene Materialien und graue Emissionen. So lässt sich seriös beantworten, wie sich ein Erhalt technisch, wirtschaftlich und im Hinblick auf Nachhaltigkeit wirklich trägt.

Wir machen die Konsequenzen unterschiedlicher Varianten transparent: für Investition, Bauzeit, Betrieb, Ressourcen und künftige Nutzungen. Damit Bauherren und Bauherrinnen wissen, unter welchen Bedingungen ein Erhalt tatsächlich sinnvoll und richtig ist.

Finowkanal Schleuse Ruhlsdorf, Blick in die ungeflutete Schleusenkammer kurz vor Abschluss der Sanierung
Sanierte Ziegelfassade des ehemaliges Gaswerk Mariendorf

Sicher weiterbauen.

Schnittstellen, Bauablauf, Genehmigung und laufender Betrieb

Bestandsprojekte scheitern selten an einem einzelnen statischen Nachweis – Herausforderungen entstehen an den Übergängen zwischen Tragwerk, Brandschutz, Bauphysik, Genehmigung und laufendem Betrieb.

Ein Beispiel: Wird aus einem Single-Tenant- ein Multi-Tenant-Gebäude, muss die Schallentkopplung zwischen den neuen Nutzungseinheiten oft nachträglich hergestellt werden – eine Aufgabe, die Tragwerk und Bauphysik nur gemeinsam lösen. Genau deshalb koordinieren wir integrierte Planung, konstruktiven Brandschutz, Bauphysik, Bauzustandsplanung und Bauüberwachung nicht, weil wir all diese Leistungen anbieten können, sondern weil erst ihr Zusammenspiel über Kosten, Termine, Sicherheit und Nutzbarkeit entscheidet – auch bei laufendem Betrieb und unter realen Baustellenbedingungen.

Verstehen, was trägt. Entwickeln, was möglich ist.

Auch auf der Suche nach neuen Herausforderungen?

Teamplayer mit Persönlichkeit, beharrliche Lösungsfinder in Kombination mit Ingenieurwissen und Freude an attraktiven Projekten sind herzlich eingeladen, die Zukunft des Bauens mit uns zu gestalten.