Warum wir die EmpCo-Richtlinie begrüßen – und was hinter unseren acht Nachhaltigkeitszielen steckt

Ein Bauwerk muss bei uns rechnerisch beweisen, dass es hält. Jede Last braucht einen Weg in den Baugrund, jede Annahme eine Begründung. So arbeiten wir seit 1926: Unsere Gründer gehörten nach dem Zweiten Weltkrieg zu den ersten Prüfingenieuren in Niedersachsen. Ihre Aufgabe war es, genau hinzusehen, ob eine Berechnung wirklich trägt.

Deshalb begrüßen wir die neue EmpCo-Richtlinie der EU, die seit dem 27. September 2026 gilt. Sie verlangt nämlich, dass Aussagen wie „nachhaltig“ oder „klimafreundlich“ belegt sind. Das unterstützen wir ausdrücklich. Wer heute liest, dass ein Unternehmen nachhaltig handelt, kann kaum erkennen, ob dahinter eine belegbare Handlung steckt oder nur ein gutes Gefühl. Das schadet allen, die es ernst meinen, und am meisten dem Vertrauen in das Wort selbst.

Hinzu kommt: Wir planen nicht nur, wir leben auch mit und in dem, was wir planen. Wir fahren über die Brücken, die wir berechnet haben, arbeiten in Gebäuden, deren Tragwerke von uns stammen, und wohnen in Städten, die wir mitgestalten. Ob eine Lösung wirklich nachhaltig ist, betrifft uns deshalb nicht nur beruflich.

Also haben wir unsere eigenen Aussagen geprüft. Auf unserer Website steht, dass wir acht der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen beeinflussen können. Das stimmt. Bisher haben wir aber nicht gezeigt, welche das sind und wie. Das holen wir hier nach. Den Maßstab dafür hat GRBV-Partner Johannes Herbort so beschrieben:

„Nachhaltig ist Planung letztlich nur dann, wenn sie Lebenszyklen mitdenkt, Bestände intelligent weiterentwickelt und ökologische, wirtschaftliche und soziale Wirkungen zusammen betrachtet.“

SDG 5 – Geschlechtergleichheit

Das Ingenieurwesen gilt noch immer als Männerdomäne. Bei uns ist nahezu die Hälfte des Teams weiblich, auch wenn sich der Frauenanteil noch nicht über alle Bereiche gleichmäßig verteilt. Unsere Unternehmensleitlinien sind hier eindeutig: Vielfalt verstehen wir als Potenzial, Diskriminierung dulden wir nicht. Gleichberechtigung betrifft dabei nicht nur Frauen. Auch Väter nehmen bei uns Elternzeit, ohne berufliche Nachteile zu befürchten. Von einer geschlechtergerechten Arbeitswelt profitieren am Ende alle.

SDG 8 – Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

Rund 400 Menschen arbeiten heute an sieben Standorten für GRBV. Was sie hier hält, ist vor allem das Miteinander: Wir helfen einander, sprechen offen über Fehler und vertrauen uns gegenseitig. Wir nennen das ein „latent familiäres Gefühl“, und das pflegen wir bewusst, auch wenn allein die Geburtstagsliste inzwischen Projektmanagement braucht. Johannes Herbort sagt dazu: „Menschen bleiben dort, wo sie Entwicklung erleben.“ Deshalb übernehmen junge Kolleginnen und Kollegen bei uns früh Verantwortung und werden dabei mit Coaching und Weiterbildung begleitet. Dazu kommen JobRad, Jobticket, Gesundheitsangebote und eine betriebliche Zusatzkrankenversicherung. Kununu zeichnet uns seit 2023 das 5. Jahr in Folge als „Top Company“ aus.

SDG 9 – Industrie, Innovation und Infrastruktur

Unsere Wurzeln liegen in der Infrastruktur: In den 1950er- und 60er-Jahren haben wir den Wiederaufbau der Brücken mitgetragen. Heute sind Hoch- und Industriebau, Ingenieurbrückenbau und Ingenieurwasserbau unsere Kerngeschäftsfelder. Ergänzt werden sie um Windenergie, Tunnelbau, Verkehrsplanung und Vermessung. Oft geht es ums Erhalten: Schleusen setzen wir instand, während der Schiffsverkehr weiterläuft. Manchmal geht es um den Umbau einer ganzen Industrie. Seit 2022 planen wir in Salzgitter ein 120.000 Quadratmeter großes Baufeld für SALCOS, mit dem die Salzgitter AG künftig Stahl mit Wasserstoff statt Kohle herstellen will. Dabei ist klar, dass Infrastruktur nie im Alleingang entsteht. Wir sind ein Baustein unter vielen Beteiligten.

SDG 11 – Nachhaltige Städte und Gemeinden

Städte werden nicht auf dem Reißbrett nachhaltig, sondern durch viele einzelne Entscheidungen. Bei der Modernisierung des B3 Südschnellwegs in Hannover bringen wir 3,8 Kilometer Strecke auf den aktuellen technischen Stand. Das sorgt für mehr Sicherheit und mehr Lebensqualität in den angrenzenden Stadtteilen. Wir helfen auch, Orte mit Geschichte zu erhalten, etwa bei der Sanierung des denkmalgeschützten Rathauses in Minden. Bauherrinnen und Bauherren begleiten wir durch die DGNB-Zertifizierung und die Energieberatung. Außerdem stehen wir auf der Energieeffizienz-Expertenliste für Förderprogramme des Bundes.

SDG 12 – Nachhaltiger Konsum und Produktion

„Dazu gehören für uns ganz konkret die Instandsetzung und sinnvolle Weiternutzung bestehender Bauwerke sowie die Weiterverwendung von Bauteilen“, sagt Johannes Herbort.

Wie das im Entwurf aussehen kann, zeigt unser Beitrag zum Wettbewerbsentwurf eines Hybridgebäudes am Berliner Behrens-Ufer (1. Platz, Architektur: HENN). Dafür haben wir eine Reihe von Tragwerksvarianten untersucht und bewertet. Holz und Beton sind dort über Kerven statt Schrauben verbunden, um einen späteren Rückbau und das Recycling der Materialien zu erleichtern. Außerdem arbeiten wir an Bauteilkatalogen, die die CO2-Emissionen verschiedener Bauteile vergleichbar machen, damit sich schon in der Konzeptphase die Variante mit weniger Emissionen erkennen lässt.

SDG 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz

Laut Deutscher Energie-Agentur verursacht der Gebäudesektor rund 40 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland. Deshalb liegt unser größter Hebel nicht im eigenen Bürobetrieb, sondern in der Planung. Wir beraten Bauherrinnen und Bauherren und rechnen Alternativen durch. Mit Lebenszyklusanalysen machen wir sichtbar, wie viel CO2 in einer Konstruktion steckt, bevor sie gebaut wird. Und wir bleiben neugierig auf neue Materialien, Bauweisen und Ideen, die am Markt entstehen.

Unser Büroalltag gehört natürlich trotzdem dazu. Ein interner Leitfaden hilft allen Kolleginnen und Kollegen, Energie und Material bewusst einzusetzen. Wir beziehen Ökostrom an den Standorten Hannover und Berlin, ein Teil unseres Fuhrparks fährt elektrisch, und wer mit Bus und Bahn kommt, bekommt einen Zuschuss zum Deutschlandticket. Unsere eigenen Emissionen erfassen wir über Scope 1 bis 3. So wissen wir, wo wir ansetzen müssen.

SDG 15 – Leben an Land

Jeder Quadratmeter, der nicht neu versiegelt wird, bleibt Boden, Lebensraum und Wasserspeicher. Ob Neubau, Nachverdichtung oder Weiterbauen im Bestand die bessere Lösung ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Deshalb rechnen wir es aus. Wir prüfen, was ein bestehendes Tragwerk noch leisten kann, entwickeln Varianten und bewerten sie. Viele Bestandsbauten haben ihre Tragfähigkeit schon über Jahrzehnte bewiesen. Für historische Gebäude haben wir mit Sergio Mazzoleni einen zertifizierten Spezialisten für Tragwerksplanung in der Denkmalpflege im Team. Unser Kollege Michael Wiechert hat es auf unserem letzten Symposium so gesagt: „Jedes Bestandbauvorhaben ist ein Unikat und sollte auch so behandelt werden.“ Außerdem sind wir Mitglied im Verband für Bauen im Bestand.

SDG 17 – Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

Die großen Fragen des Bauens löst niemand allein. GRBV-Partner Dr.-Ing. Joachim Göhlmann sagt: „Alle Planenden – so auch wir – werden auf die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit anderen Planungsunternehmen angewiesen sein.“ Deshalb laden wir alle zwei Jahre im Wechsel zu zwei eigenen Formaten ein, dem Symposium für Hoch- und Industriebau und dem Ingenieurtechnischen Kolloquium. 2025 kamen in Berlin mehr als 100 Gäste zum Symposium „Nachhaltiges Bauen 2.0 – die Evolution der Bestandsgebäude“. Beim 8. Ingenieurtechnischen Kolloquium „Bauen 2030 vordenken“ waren es über 200. Die Vortragenden kommen bewusst auch aus Bauherrschaft, Bauunternehmen und Forschung, damit wir einander herausfordern und ermutigen. Außerdem sind wir Teil des IHK-Unternehmensnetzwerks Klimaschutz, unterstützen die Initiative „Phase Nachhaltigkeit“ von DGNB und Bundesarchitektenkammer, sind im Bundesregister Nachhaltigkeit der Bundesingenieurkammer gelistet und Mitglied bei buildingSMART Deutschland. Das nächste ITK findet 2027 in Hannover statt.

Nachhaltigkeit ist für uns kein Etikett, sondern eine Rechnung, die ökologisch, wirtschaftlich und sozial aufgehen muss. Mit diesem Beitrag zeigen wir, wie wir rechnen. Wo wir noch nicht so weit sind, wie wir sein wollen, sagen wir das auch: beim Anteil von Frauen in Führungspositionen, zum Beispiel.

Sie sehen etwas anders oder möchten wissen, wie das bei Ihrem Projekt aussehen kann? Schreiben Sie uns.

Veröffentlicht am: 5. November 2026Kategorien: Büro, Nachhaltiges Planen, Sonstiges

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