Ein Tag für Körper, Kopf und Pause
Einen Artikel über gesunde Lebensweise zu lesen, macht noch keinen gesünderen Menschen. Was schade ist, es wäre herrlich bequem.
Aber schon eine halbe Stunde kann reichen, um festzustellen, dass der Bürostuhl vielleicht doch nicht ganz richtig eingestellt ist. Dass das Mittagstief kein unabwendbares Naturereignis sein muss. Oder dass Multitasking vor allem eines ziemlich zuverlässig produziert: ziemlich viel gleichzeitig – nur nicht unbedingt gut.
Unser Gesundheitstag am 8. Oktober in Hannover wollte deshalb gar nicht erst den großen Rundumschlag versuchen. Keine Selbstoptimierung in fünf Workshops. Kein „Ab morgen machen wir alles anders“.
Eher ein erster Gruß aus der Küche: ausprobieren, nachfragen, ein bisschen genauer hinschauen – und schauen, was davon im Alltag hängen bleibt.
Unter dem Motto „Körper. Kopf. Pause.“ gab es dafür reichlich Gelegenheit.
Monitorhöhe, Blutzucker und Push-Nachrichten – ernsthaft? Durchaus. Denn so unterschiedlich die drei klingen: Sie können einem Arbeitstag erstaunlich wirkungsvoll dazwischenfunken.
In den Workshops zu Ergonomie, Ernährung und Fokus wurde deshalb an ziemlich alltäglichen Stellschrauben gedreht.
Wie stehen Stuhl, Tisch und Monitor eigentlich richtig? Wie kommt mehr Bewegung in einen Arbeitstag, der sich gern größtenteils zwischen Schreibtisch und Bildschirm abspielt? Was haben Mahlzeiten und Blutzuckerschwankungen mit Konzentration zu tun? Und wie gut ist unser Gehirn tatsächlich darin, E-Mail, Teams-Nachricht, Telefonat und eigentliche Aufgabe gleichzeitig zu jonglieren?
„Was mich wirklich überrascht hat, war die Zahl 20 Minuten. So lange benötigen wir im Schnitt, um nach einer Unterbrechung wieder vollständig in eine Aufgabe zurückzufinden. Das finde ich beeindruckend lange. Es lohnt sich also, Unterbrechungen zu vermeiden.“
Vielleicht ist genau das die angenehmste Erkenntnis aus solchen Workshops: Es braucht nicht immer die große Veränderung. Manchmal reicht eine Benachrichtigung weniger. Eine andere Monitorhöhe. Eine Mahlzeit, nach der der Nachmittag nicht schon um 13.30 Uhr verloren scheint.
Kleine Stellschrauben eben. Es gibt einige davon.
Und dann: raus aus dem Kopf. Rein in den Körper.
Spätestens bei der Yoga-Schnupperstunde wurde es praktischer.
Bewegt wurde, was einen Bürotag gern stoisch über sich ergehen lässt: Schultern, Nacken, Rücken und Hüften. Ohne Vorkenntnisse, ohne akrobatische Ambitionen – und vermutlich bei einigen mit der leisen Erkenntnis, dass der eigene Körper bestimmte Bewegungen schon länger nicht mehr gesehen hatte.
Direkt daneben lag ein Thema, das zunächst viel abstrakter klingt: Resilienz.
Im Workshop „Was Stehauf-Menschen ausmacht“ ging es um unseren Umgang mit Druck, Veränderungen, Unsicherheit und Rückschlägen.
Und plötzlich lagen Yoga und Resilienz gar nicht mehr so weit auseinander. Denn letztendlich geht es bei beiden darum, beweglich genug zu sein, um das Gleichgewicht wiederzufinden, wenn etwas ins Wanken gerät.
Tee trinken war ausdrücklich Teil des Programms
Zum Glück brauchte nicht alles einen Termin. Zwischen Workshops, Gesprächen und Gesundheitsmodulen gab es Infused Tees zum Ausprobieren, mittags Wraps und Fingerfood – und damit etwas, das auf keinem Ablaufplan besonders spektakulär aussieht, für einen solchen Tag aber ziemlich wichtig ist: Pause.
Und morgen?
Genau da wird es interessant.
Denn natürlich verändert ein Gesundheitstag keine Gewohnheiten über Nacht. Ein Workshop macht aus acht Stunden Sitzen noch keinen bewegten Arbeitstag. Und eine Stunde zum Thema Fokus sorgt nicht dafür, dass ab morgen sämtliche Benachrichtigungen schweigen.
Aber das ist auch gar nicht unserer Maßstab. Vielleicht probiert die eine oder der andere jetzt etwas aus:
Fünf Minuten Bewegung.
Eine Push-Nachricht weniger.
Eine echte Pause.
Eine andere Einstellung am Schreibtisch.
Nicht revolutionär, aber ziemlich alltagstauglich.
Und wenn von einem Tag eine einzige Sache dauerhaft hängen bleibt, dann war dieser erste Impuls womöglich der, der zum nächsten führt.















