Am Widukind-Gymnasium in Enger lernen rund 1.000 Jugendliche – und das in einem Gebäudekomplex, der zwar mehrfach erweitert wurde, aber inzwischen spürbar an seine Grenzen stößt. Die Stadt hat deshalb einen dreigeschossigen Erweiterungsbau für die Oberstufe plus Umbau im Bestand beschlossen.
Und weil “mehr Raum” heute nicht mehr reicht, bekommt das Projekt gleich ein zweites Ziel: Es soll zukunftsfähig, flexibel und in den Lebenszykluskosten möglichst schlank bleiben.

Gedacht: Was fehlt wirklich?

Der Kern ist schnell erzählt: Der Bestand (Schulgebäude an der Tiefenbruchstraße, in den frühen 1970ern fertiggestellt und später erweitert) reicht für die aktuellen und kommenden Anforderungen nicht mehr. Konkret braucht die Schule 8 bis 10 zusätzliche Klassenräume für die Oberstufe.

Die Lösung kommt als klarer Baukasten: drei Geschosse, pro Geschoss drei Klassenräume – also neun neue Räume, die ziemlich genau in diese Lücke passen.
Hinzu kommt ein wichtiger Eingriff im Bestand: Die bisherige Mediothek wird umgebaut, zwei Büros bleiben, und der Rest wird zur Freiarbeitszone.

Geplant: Warum wird aus “Beton, klassisch” plötzlich ein Hybridbau?

In der Tragwerksplanung klingt “Hybrid” erstmal nach Lifestyle. In der Realität heißt es: mehr Entscheidungen früher – und deutlich weniger Spielraum für “machen wir später”.

Bei diesem Projekt startete der Erweiterungsbau als Stahlbetonskelett. Nach Abschluss der Entwurfsplanung kam der Wunsch: mehr Nachhaltigkeit, mehr Holz. Aus dem reinen Holzbau wurde am Ende eine Hybridlösung – mit vorgespannten Betondecken und Holz- bzw. Holzrahmenbauwänden. (Und ja: Solche Kurswechsel fühlen sich für die Tragwerksplanenden ungefähr so an, als würde jemand nach LPH 3 sagen: „Übrigens, wir spielen das Konzert jetzt in einer anderen Tonart.“)

Spannend wird es genau dort, wo Tragwerksplanung intensiv hinsehen muss – an den Anschlussdetails:

  • Materialwechsel = Detailarbeit: Holz “arbeitet” anders als Beton. Wenn Decken, Wände, Treppenhaus und Schacht aus unterschiedlichen Systemen kommen, müssen Lager, Fugen, Verbinder und Toleranzen sauber zusammenspielen.
  • Schallschutz vs. Leichtbau: Der hybride Ansatz ist nicht nur “nice to have”, er ist auch eine Antwort auf harte Anforderungen. In Enger bleiben die Zwischendecken aus Beton, weil sonst die Schallschutzwerte nicht sicher erreichbar sind.
  • Brandschutz als Türöffner: Eine Anpassung im Brandschutzkonzept kann Holzanteile überhaupt erst möglich machen – und zieht dann sofort neue statische und konstruktive Randbedingungen nach sich (Bekleidungen, Abbrandbemessung, Anschlüsse, Durchdringungen).

Kurz: Beim Hybridbau entscheiden viele kleine Details über den Erfolg, die früh feststehen müssen.

Gebaut: Wie hält man Zeitplan, Gewerke und Details gleichzeitig zusammen?

Beim WGE-Anbau kam mit dem „Systemwechsel“ ein neuer Mitspieler aufs Feld: im Werk vorgefertigte Bauteile. Die Bauteile werden vorproduziert, Öffnungen und Leitungsführungen sind bereits integriert – auf der Baustelle zählt dann Präzision statt Improvisation.

Genau hier steigen die Anforderungen an die Tragwerksplanung noch einmal:

  1. Koordination wird zur Königsdisziplin
    Holzbau, Betonkerne, Spannbeton, Haustechnik-Durchbrüche – das funktioniert nur, wenn Statik, Architektur und TGA sich eng und gründlich abstimmen. Sonst kollidiert der “fertige” Modulrahmen mit dem “später irgendwie” geplanten Durchbruch.
  2. Anschlüsse müssen “baustellentauglich” sein
    Hybrid heißt: viele Übergänge. Übergänge heißen: viele Fehlerquellen. Gute Details berücksichtigen Montagefolgen, Toleranzen, Feuchte-/Korrosionsschutz und Nachjustierbarkeit, ohne die Tragwirkung zu verwässern.
  3. Änderungen kosten richtig
    Bei Hybrid- und Modulbau sind nachträgliche Wünsche (Deckendurchbrüche, neue Lasten, andere Raumaufteilungen) deutlich teurer – weil nicht nur gerechnet, sondern oft auch neu gefertigt werden muss.

Und weil Zukunftsfähigkeit nicht beim Tragwerk endet, setzt das Projekt auch energetisch auf neue Technik (u. a. Wärmepumpe am Dach, schnelle Regelbarkeit).

Veröffentlicht am: 4. Februar 2026Kategorien: Hoch- und Industriebau, Projekte

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