Mit dem Ersatzneubau des Wehrs Mühlendamm an der Bundeswasserstraße ordnet die Arbeitsgemeinschaft Wehr Mühlendamm einen zentralen Abschnitt der Berliner Spree wasserbaulich neu. Dabei verschiebt sich die Staulinie um rund 190 Meter. Aus dem bisherigen einfeldrigen Wehr wird eine zweifeldrige Anlage mit deutlich mehr hydraulischer Leistungsfähigkeit. Hierdurch verbessert sich die ökologische Durchgängigkeit der Spree spürbar. Teile der historischen Anlage bleiben dabei erhalten. Sie stehen aufgrund Ihrer ingenieurgeschichtlichen Bedeutung unter Denkmalschutz.
Eine Staustufe mit zentraler Funktion für Berlin
Die Schiffschleusenanlage Mühlendamm besteht aus drei Bauelementen: der Doppelschleuse, der Trennmole und dem Wehr. Die Stauhaltung erfüllt eine zentrale wasserwirtschaftliche Aufgabe – sie sichert die ganzjährige Schifffahrt und steuert zugleich die Wasserstände und den Abfluss im Berliner Gewässernetz.
Der Neubau der Wehrs entsteht nicht am bestehenden Standort, sondern deutlich stromaufwärts. Diese Verschiebung greift unmittelbar in die Geometrie und Funktionsweise des gesamten Wasserbauabschnitts ein. Die bestehende Situation wird dabei nicht einfach fortgeschrieben: Der Ersatzneubau wird genutzt, um das System als Ganzes weiterzuentwickeln. Neben der hydraulischen Leistungsfähigkeit erfüllt das Wehr somit auch das (n-1)-Kriterium. Dieses stellt sicher, dass der Ausfall eines Teiles nicht zum Zusammenbruch des gesamten Systems führt.
Die Regulierung des Wasserstandes wird mit dem Einsatz von Klappenverschlüssen robuster und lässt sich flexibler auf unterschiedliche Betriebszustände einstellen.
Technische Funktion und ökologische Durchgängigkeit zusammen denken
Eine zweite zentrale Aufgabe ergibt sich aus der Gewässerökologie: Die heutige Staustufe ist für flussaufwärts und flussabwärts wandernde Fische eine kaum überwindbare Barriere. Wie anspruchsvoll die neue Fischaufstiegs- und Fischabstiegsanlage diese Aufgabe löst, zeigt ein Detail: Sie wird unter anderem für ausgewachsene Welse von rund 1,60 Metern Länge bemessen.
Damit ist es nicht getan. Eine Fischaufstiegsanlage funktioniert nur, wenn wandernde Fische ihren Einstieg auch finden. Neben der Geometrie braucht es deshalb eine ausreichend starke Leit- und Lockströmung – und die hängt direkt vom Wehrbetrieb und der Abflussverteilung ab. Aus einer ökologischen wird so eine hydraulische und konstruktive Planungsaufgabe: Wasserwirtschaft, Schifffahrt, Bauwerkssicherheit und Gewässerökologie laufen hier parallel zusammen.
Bauen im Wasser – mitten in der Stadt
Zur planerischen Komplexität kommt die Lage: Der Neubau entsteht im dicht bebauten Zentrum Berlins, unter stark eingeschränkten Platzverhältnissen und umgeben von bestehenden Uferanlagen, der Mühlendammschleuse, der Mühlendammbrücke, laufendem Schiffsverkehr und der angrenzenden Fischerinsel. Gleichzeitig greift der neue Standort tief in den Bestand ein: Uferwände müssen angepasst oder neu hergestellt werden, für Wehr und Fischaufstiegsanlage braucht es Baugruben unmittelbar am Gewässer, und die Wehrkanalsohle wird vertieft und gegen Erosion gesichert. Hinzu kommen Anschlüsse an bestehende Anlagen und zusätzliche Einbauten.
Damit trifft klassischer Wasserbau unmittelbar auf Spezialtiefbau, Baugrubenplanung und Bauen im Bestand. Viele der entscheidenden Fragen werden dabei erst in der Ausführungsplanung konkret: Wie werden Verbauten ausgebildet? Wie lassen sich Baugruben unter diesen Randbedingungen herstellen? Und wie greifen Uferwand, Gründung, Sohlsicherung und angrenzende Bauwerke ineinander?
GRBV in der Ausführungsplanung
Genau an dieser Stelle sind wir im Projekt: Im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Wehr Mühlendamm – bestehend aus der Wayss & Freytag Ingenieurbau AG und Hülskens Wasserbau GmbH & Co. KG sowie weiteren Partnern – übernehmen wir die Ausführungsplanung für die konstruktiven und spezialtiefbaulichen Bauteile, die den Wehrneubau umgeben und seine Herstellung erst ermöglichen.
Zu unseren Planungsleistungen gehören: – die Uferwand an der Fischerinsel, einschließlich Natursteinverblendung und Tierrampen – die Baugruben der Wehranlage und der Fischaufstiegsanlage – die Vertiefung der Wehrkanalsohle und die Vorbodensicherung – das Einlaufbauwerk der Wassergütemessstelle an der Uferwand
Der Leistungsumfang reicht von der Objektplanung nach § 43 HOAI (teilweise Lph. 5) bis zur Tragwerksplanung nach § 51 HOAI (Lph. 4 und 5). Damit arbeiten wir genau an der Schnittstelle, an der aus dem wasserbaulichen Entwurf belastbare Konstruktionen werden – denn Baugruben, Verbauten und Uferkonstruktionen sind hier keine Nebensache. Sie entscheiden, wie sich der Entwurf unter den konkreten Bedingungen der Baustelle tatsächlich umsetzen lässt.
© Bilder | Ingenieurgesellschaft Heidt + Peters mbH












