Schwammstadt als Haltung: zukunftsfähig bauen heißt, Wasser mitzudenken

Auf einer bereits versiegelten Parkfläche baut die Bateg GmbH als Generalübernehmer an der Lea-Grundig-Straße 12–18 einen 19-geschossigen Neubau. Aus einem Grundstück mit viel Asphalt und wenig klimatischer Qualität wird eine gemischt genutzte Adresse, die Wohnraum schafft und den Freiraum neu denkt. Das Projekt zeigt damit, wie Nachverdichtung und Klimaanpassung zusammengeführt werden können.

Mit seiner zukünftig begrünten Dachfläche leistet das Gebäude einen zusätzlichen Beitrag in puncto Stadtentwässerung und Klimaresilienz des Quartiers. Nach dem Schwammstadt-Ansatz wird Regenwasser möglichst vor Ort zurückgehalten und gespeichert, es versickert oder verdunstet. So wird die Kanalisation bei Starkregen entlastet. Zugleich entstehen kühlende Effekte durch Verdunstung und zusätzliche Begrünung.

Neuer Wohnraum ohne neue Fläche am Stadtrand

Städtebaulich setzt das Vorhaben auf Nachverdichtung im Bestand. Statt zusätzliche Flächen am Stadtrand in Anspruch zu nehmen, wird vorhandene Infrastruktur genutzt und ein bereits bebautes beziehungsweise versiegeltes Grundstück weiterentwickelt. In Berlin ist das ein starkes Argument, weil Flächen knapp sind, Infrastruktur teuer ist, und lange Pendelwege Stadt, Klima und Alltag belasten.

Ein Hochhaus als Quartiersbaustein

Das Programm ist bewusst gemischt angelegt. Es geht nicht um ein monofunktionales Wohnhaus, sondern um einen Baustein für das Quartier.

Geplant werden 96 Wohnungen, davon 49 als öffentlich geförderter Wohnraum. Ergänzt wird das Angebot durch zwei betreute Senioren-Wohngemeinschaften beziehungsweise Trägerwohnen. Im Erdgeschoss sind fünf Gewerbeeinheiten geplant, unter anderem für Café- und Veranstaltungs­nut­zungen, Physiotherapie sowie weitere quartiersbezogene Angebote. Eine Tiefgarage mit 48 Stell­plätzen ist vorgesehen.

Diese Mischung bringt allerdings technische Anforderungen mit sich. Unterschiedliche Nutzungen stellen unterschiedliche Bedarfe an Erschließung, Brandschutz, Schallschutz, Tragwerk und Grundrissflexibilität.

Tragwerk, Rhythmus, Dauerhaftigkeit

Nachhaltigkeit, Emissionsreduzierung, Wirtschaftlichkeit und kurze Bauzeiten – auf diesen vier Punkten lag beim Planen des Hochhauses ein besonderer Fokus.

Deshalb basiert die Tragstruktur basiert größtenteils auf vorgefertigten Stahlbetonbauteilen. Die einzelnen Elemente werden bereits im Werk auf Qualität geprüft und können dann auf der Baustelle effizient und schnell verbaut werden.

Die tragenden Innen- und Außenwände werden überwiegend als Stahlbetonfertigteile beziehungs­weise Hohlwände mit Regelwandstärken von 25 cm hergestellt. Insbesondere die Fertigteilbauweise der Aufzugskerne und Treppenanlagen ermöglicht einen schnellen Baufortschritt bei gleichzeitig hoher Präzision und Qualität.

Treppenhaus- und Aufzugskerne sowie die Giebelwände übernehmen die Horizontalaussteifung. Die Geschoss- und Dachdecken werden als 22 cm starke Filigran-Stahlbetondecken ausgeführt und bilden gemeinsam mit den tragenden Wänden ein robustes und wirtschaftliches Tragwerk.

Die Gründung erfolgt aufgrund der Baugrundverhältnisse über eine Tiefgründung mittels Pfählen. Keller und Tiefgarage werden in wasserundurchlässiger Bauweise (WU-Bauweise) hergestellt.

Für die massiven Bauteilen des Sockel- und Untergeschosses ist der Einsatz von ressourcen­schonendem Beton mit Recyclingzuschlägen vorgesehen, um den CO₂-Fußabdruck des Neubaus zu reduzieren.

© Visualisierung Bateg GmbH

Veröffentlicht am: 9. Juli 2026Kategorien: Hoch- und Industriebau, Projekte

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